Ostermorgen

Joh. 20, 11-18

Manchmal
stehe ich wie gebannt
und starre auf meine unerfüllten
Wünsche
beweine meine begrabenen
Hoffnungen
nähre den Zorn auf das
schwer Erträgliche

Was suchst du?

Die Frage stört mich
Unwillig wende ich mich
um
und erkenne Dich nicht

Da rufst Du mich
am hellen Tag
bei meinem Namen

Ein Staunen
erblüht
in mir
ein Glück
strahlt auf
Herzwärme breitet sich
um mich
wie ein Mantel


Ich spüre
Dein Licht
in mir
wachsen

Christine Ruppert  © 2018

Nicht allein

2. Mose 14

Noch immer steht das Meer
wie eine Mauer
noch sind die schlimmsten
Katastrophen
nur in meinem Kopf

Tagsüber ist der Weg
oft hell
Ich gehe sicher
fast fröhlich

Gegen Abend aber
fluten die Nachrichten heran
der Boden wird grundlos
die Angstpegel steigen

Dann tröstet mich
Dein Lied
Du selbst hältst
die Verfolger auf Abstand
trägst mich ans rettende
Ufer des Schlafs
und weckst mich
jeden Morgen neu

Christine Ruppert © 2022

Bergungen

Hüll mich ein
in ein blaues Tuch aus Samt
zärtlich weich und warm

Schenk mir
Worte wie Umarmungen
Buchverstecke
ein Lagerfeuer aus Gesang

Öffne mein Herz
dem Trost einer Freundin
der Stille des Abends
der Nähe des Geliebten

Birg mich
Gott
in deinen Vaterarmen
an deinem Mutterherzen
unter deinen Flügeln

Hüll mich ein
umgib mich ganz
mit deiner Liebe

Christine Ruppert © 2015

Passion 21

Wieder einmal
auch in diesem Jahr
keimt die Hoffnung auf
dass etwas anders wird
dass dein Kreuz
dein leeres Grab
Gott
die Wende bringt

Linderung
unseren Seelenwunden
nach einem düsteren Jahr
Heilung
unseren schmerzenden Körpern
Aufatmen
den Gefolterten
Liebe
den von Hass zerfressenen Herzen
Den Gefangenen
Freiheit
Unseren Toten
Licht und Auferstehung
Unserer hungernden Sehnsucht
die Umarmung des Lebens

Christine Ruppert © 2021

Das Geheimnis in mir

Die (Selbst-)
Bilder ablegen

schmerzlich

Immer wieder
annehmen
was ist

Kahlheit aushalten

warten

lauschen

dem Licht
nachspüren
das Obdach
sucht

Mein Zerbrochenes
kann
Herberge
werden

Christine Ruppert © 2020

Einen alten Vers neu entdecken

Das schreib dir in dein Herze,/ du hochbetrübtes Heer,/
Bei denen Gram und Schmerze/ sich häuft je mehr und mehr;/
Seid unverzagt, ihr habet/ die Hilfe vor der Tür;
Der eure Herzen labet/ und tröstet, steht allhier.    (Paul Gerhard 1653)

Aufschreiben
[auf weißes Papier]
mich erinnern
mir neu vorsagen
mir ins Herz einschreiben
weitersagen:

Inmitten von
angstvorkriegcoronaleideneinsamkeit
mobbingverratenttäuschungchronischer
krankheitausgeschlossenseinstreitarbeits
belastungschlechtennachrichtenfluchtundhungerelend

SEID UNVERZAGT
Inmitten von Gram und Schmerze
SEID UNVERZAGT

Voller Liebe und Bereitwilligkeit
kommt Gott euch entgegen
kommt mittenhinein
bringt Licht
bringt Gehaltensein
bringt Mut zum Weiterleben
bringt sich selbst
mitten in diese Welt

Christine Ruppert © 2017/2020

Perspektivwechsel

Ich sehe die Sonne
Ich sehe den Abgrund
Ich sehe die Farben
Ich sehe das Dunkle
Ich spüre den Boden
bald zaghaft  bald zuversichtsfest
Ich schwanke
Ich falle

DU
fängst mich auf


Christine Ruppert © 2020

Befreunde dich

In Bedrängnis
befreunde dich
mit dem Atem
tröstlicher Weg ins Weite

Spüre dich
ruhen
in den Armen
der Kraft die alles umfängt

Sprich
die Worte des Vertrauens
nach
sprich sie wieder
und wieder

Danke

für alles was trägt
Entdecke die Fülle

Dir wird nichts mangeln

Christine Ruppert © 2020

Frei

Eingekerkert
ich
schmerzgefesselt
umstellt von Ängsten

weckt mich
mitternächtlich
der Engel

zeigt mir
Wege
als ob
ich träumte


(inspiriert von Apostelgeschichte 12, 6-17)

Christine Ruppert © 2020

Wie den Tag beginnen?

Nackt
wirft mich die
Nacht verwirrender Träume
ans Land
des neuen Morgens
Bloß
stehe ich vor dem Spiegel
und sehe mein
fröstelndes Ich
im Sog der Sorgendämmerung

Wie den Tag beginnen?

Ich warte
dass ein Ton mich findet
singe
und hoffe
öffne mich einen Spalt breit
für das Licht
Ich spüre
Du bist da
Du hüllst mich ein
in Deinen Mantel aus Liebe

Christine Ruppert © 2017