Frei

Eingekerkert
ich
schmerzgefesselt
umstellt von Ängsten

weckt mich
mitternächtlich
der Engel

zeigt mir
Wege
als ob
ich träumte


(inspiriert von Apostelgeschichte 12, 6-17)

Christine Ruppert © 2020

Wie den Tag beginnen?

Nackt
wirft mich die
Nacht verwirrender Träume
ans Land
des neuen Morgens
Bloß
stehe ich vor dem Spiegel
und sehe mein
fröstelndes Ich
im Sog der Sorgendämmerung

Wie den Tag beginnen?

Ich warte
dass ein Ton mich findet
singe
und hoffe
öffne mich einen Spalt breit
für das Licht
Ich spüre
Du bist da
Du hüllst mich ein
in Deinen Mantel aus Liebe

Christine Ruppert © 2017

Der Furcht ein Gedicht entgegenhalten

Ich hisse ein weißes Blatt
im Sturm der Angst
Friedensangebot
an die Kopfgeburten meiner Albträume
Raum
für verwirrte Gefühle auf der Flucht

Ich baue den kreisenden Gedanken
ein Zeilengeländer
zum Festhalten

Wenn ich Glück habe
wächst
zwischen den ängstlichen Worten
Grün empor

Christine Ruppert © 2016

Kämpferin

Blass und wehrlos
dein Gesicht
im Spiegel
am Morgen

Du malst
dir Kriegszeichen
auf die Haut
streifst deine
schwarze Alltagsrüstung
über die verletzlichen Stellen
fährst deine
roten Krallen aus
und kämmst
die Haare
straff nach hinten

So festgezurrt
und eingehaust
sind deine Ängste
erträglich

Hart
schlagen
deine Absätze
auf den Gehweg

Bewaffnet mit
dir selbst
beginnst du den Tag

Christine Ruppert © 2018

Furcht

Furcht spricht
von furchtbaren Dingen
die geschehen könnten

Furcht malt
einfallsreiche Bilder
in Schreckensfarben

Furcht besitzt ein Kino
und spielt jederzeit
alte und neue Streifen
mit Angstfantasien

Furcht kann
herzklopfenmagendrückenschweiß
ausbruchmuskelkrämpfebrustbeengung


Furcht löst sich
im besten Fall
in Luft auf

Christine Ruppert