Gartengebet

Tief eintauchen ins Jetzt
wie in einen stillen See

Ich atme in vollen Zügen
den Duft von warmem Moos und reifen Äpfeln

lausche der Gegenwart
Rosenrot wispert  Sonnenblume lacht
alte Bäume grüßen mich

und über allen Wegen
das Licht
ach
das Licht

grüngolden
zwischen allen Zweigen
leuchet
bis auf den Grund
dieser kostbaren Stunde

Septemberlicht


Christine Ruppert © 2021

Bethlehem im Sommer

Mitten im Durcheinander
meiner Wohnung
bist du da
Mitten in der Achterbahn
meiner Gefühle
dein Friede
Mitten im Sturm
der Gedanken
deine liebevolle Umarmung

Inmitten der Zerrissenheit
meiner Tage
stehe ich an deiner Krippe

auch heute
kommst du zur Welt

Christine Ruppert © 2019

Ostermorgen

Joh. 20, 11-18

Manchmal
stehe ich wie gebannt
und starre auf meine unerfüllten
Wünsche
beweine meine begrabenen
Hoffnungen
nähre den Zorn auf das
schwer Erträgliche

Was suchst du?

Die Frage stört mich
Unwillig wende ich mich
um
und erkenne Dich nicht

Da rufst Du mich
am hellen Tag
bei meinem Namen

Ein Staunen
erblüht
in mir
ein Glück
strahlt auf
Herzwärme breitet sich
um mich
wie ein Mantel


Ich spüre
Dein Licht
in mir
wachsen

Christine Ruppert  © 2018

Nacht

Bei zunehmender Dunkelheit
dem Licht
den Weg bereiten

der schweigenden
Gegenwart Gottes
lauschen

Am Morgen
den Vogel singen hören

Christine Ruppert © 2021

Bergungen

Hüll mich ein
in ein blaues Tuch aus Samt
zärtlich weich und warm

Schenk mir
Worte wie Umarmungen
Buchverstecke
ein Lagerfeuer aus Gesang

Öffne mein Herz
dem Trost einer Freundin
der Stille des Abends
der Nähe des Geliebten

Birg mich
Gott
in deinen Vaterarmen
an deinem Mutterherzen
unter deinen Flügeln

Hüll mich ein
umgib mich ganz
mit deiner Liebe

Christine Ruppert © 2015

Perspektivwechsel

Ich sehe die Sonne
Ich sehe den Abgrund
Ich sehe die Farben
Ich sehe das Dunkle
Ich spüre den Boden
bald zaghaft  bald zuversichtsfest
Ich schwanke
Ich falle

DU
fängst mich auf


Christine Ruppert © 2020

Befreunde dich

In Bedrängnis
befreunde dich
mit dem Atem
tröstlicher Weg ins Weite

Spüre dich
ruhen
in den Armen
der Kraft die alles umfängt

Sprich
die Worte des Vertrauens
nach
sprich sie wieder
und wieder

Danke

für alles was trägt
Entdecke die Fülle

Dir wird nichts mangeln

Christine Ruppert © 2020

Frei

Eingekerkert
ich
schmerzgefesselt
umstellt von Ängsten

weckt mich
mitternächtlich
der Engel

zeigt mir
Wege
als ob
ich träumte


(inspiriert von Apostelgeschichte 12, 6-17)

Christine Ruppert © 2020

Wie den Tag beginnen?

Nackt
wirft mich die
Nacht verwirrender Träume
ans Land
des neuen Morgens
Bloß
stehe ich vor dem Spiegel
und sehe mein
fröstelndes Ich
im Sog der Sorgendämmerung

Wie den Tag beginnen?

Ich warte
dass ein Ton mich findet
singe
und hoffe
öffne mich einen Spalt breit
für das Licht
Ich spüre
Du bist da
Du hüllst mich ein
in Deinen Mantel aus Liebe

Christine Ruppert © 2017

Auferstehung

Das Licht des Morgens nach einer bangen Nacht.
Der Jubel der Seele, wenn die Angst weicht.
Die Weite im Herzen, wenn Zuversicht wächst.
Die Erleichterung, wenn Unheil vorübergeht.
Die Dankbarkeit, wenn Wege sich aufzeigen.
Das Wort der Versöhnung nach einem bitteren Kampf.
Die zärtliche Umarmung nach langer Trennung.
Das Lied der Erlösung, inmitten des Lebens.
Die Gewissheit am Grab: Er ist nicht hier.
Die Macht der Liebe, die den Tod besiegt.

Christine Ruppert © 2007