Barbara

Einen Zweig ins
Wasser stellen

Mitten in der Kahlheit
an die Möglichkeit
des Blühens glauben

Freude hervorlocken

Christine Ruppert © 2017

Novemberabend

Ungläubig
der Blick aus dem Fenster
der Blick auf die Uhr
Jedes Jahr wieder
überrascht
die frühe Dunkelheit

Es gilt
sich zu wappnen
Ausschau zu halten
nach Lichtschimmern

Ich säe meine Wunschsaat ein
in die Furchen der Nacht
nähre die Hoffnungskeime
mit Sehnsucht
Erinnerungen  Lichtgedanken

erwarte das Wunder

den Winter zu bestehen

Christine Ruppert © 2021

Baum und Haus

Neben meinem Freund dem Baum
wächst ein Haus
aus dem Boden
Mauern aus Stein
jeden Tag
ein Stück höher
jeden Tag
ein Stück weniger Himmel sichtbar
Fremd und stumm
blicken Fensterhöhlen
Das Rauschen der Blätter
bleibt
ohne Antwort

Christine Ruppert © 2021

Neuerscheinung

Mein Freund, der Baum. Mit Bäumen durch das Jahr. Hg.v. Kathring Clausing und Ulrich Sander. Verlag am Eschbach, 2021. ISBN 978-3-86917-803-5

Liebe Leser*innen!
Ich möchte auf eine Neuerscheinung aufmerksam machen.
Mein Gedicht „Vom Glück des Draußenseins“ wurde in der neuen Anthologie „Mein Freund, der Baum“ des Verlags am Eschbach veröffentlicht. Es ist ein sehr ansprechend gestaltetes Jahreslesebuch mit mit einer schönen Textauswahl zum Thema Bäume geworden. Es enthält für jeden Tag des Jahres ein Gedicht oder einen Textimpuls. Dabei ist jeder Monat einer besonderen Baumart gewidmet. Ich freue mich, dass ich ein Gedicht dazu beitragen konnte!

Metapher

eine metapher finden
für den schmerz
das unerträglich nahe
umwandeln
in ein bild
außerhalb

sagen
er sei laut
wie baulärm
eng
wie ein schraubstock
eine naturgewalt
die mir die kontrolle
aus den händen reißt

hoffen
dass der wortzauber
wirkt

vergeblich
zuweilen

Christine Ruppert © 2020

Zum Niederknien mutig

Gedicht aus der Reihe: Schwestern

Zum Niederknien
schön
zum Niederknien
mutig
die Frauen mit den bunten Kopftüchern
auf der Straße in Kabul

Sie sind sichtbar
sie sind laut
sie bringen ihr Leben
in Gefahr

Sie kämpfen für Rechte
die mir ohne Mühe zufielen

Ich erbitte für sie
das Wunder der Bewahrung

Christine Ruppert © 2021


Gehalten vom Licht – Lesung in der Stadtakademie

Einen Abend mit Poesie und Musik erlebten die Teilnehmer*innen meiner Lesung am 1. September 2021 in der evangelischen Stadtakademie in Düsseldorf. Für mich war es ein ganz besonderer Abend – die erste Präsenzveranstaltung seit langer, langer Zeit. Es war einfach eine große Freude – unter Einhaltung aller gebotenen Vorsichtsmaßnahmen – meine Texte den anwesenden Menschen zu Gehör zu bringen und mit ihnen darüber zu sprechen und sich auszutauschen.

Die Gedichte, die ich für diesen Abend ausgewählt hatte, erzählten von Glücksmomenten im Alltag, von Verbundenheit trotz Distanzgebot, den eigenen Ressourcen und der tragenden Kraft des Glaubens.
Im klangvollen Wechsel zu meiner Lyrik ertönten die meditativen Musikstücke der Gitarristin Anja Blauth.

 Im zweiten Teil des Abends konnten die Teilnehmer*innen selbst mit dem Stift in der Hand kreativ werden. So entstanden eine Reihe von Elfchen – Kurzgedichte bestehend aus elf Wörtern, die gut geeignet sind kostbare Momente und Begebenheiten schriftlich festzuhalten und auf den Punkt zu bringen.
Ich danke allen herzlich die dabei waren und sich aufs Zuhören, Reden und Schreiben eingelassen haben!

Unbeirrbar

Unbeirrbar
suchen sich
die Bohnenranken
ihren Weg

winden sich
um Schnüre  Äste
Sonnenblumen

strecken
ihre grünen Fühler
wolkenwärts

Unaufhaltsam
bricht sich
Grünkraft
Bahn

Christine Ruppert © 2021

Grünkraft

Liebe Leser*innen!
Nach einer kleinen Sommerpause melde ich mich heute mit zwei Gedichten zum Thema GRÜNKRAFT zurück. Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Sommer!