Juli

Am See
will ich meine Wurzeln
in den Boden senken
und fest stehen
Bunte Steine wie Muscheln
zwischen meinen Füßen
In der Brandung spielen kleine Fische

Am See
will ich mich niederlassen
da sein
nackt sein
ich sein
und den schwebenden Segeln
nachträumen
in der Weite

Dem See
will ich näher kommen
durch die kühlen Wellen am Ufer laufen
meine nackten Zehen
in den warmen Kies graben

Am See
kann ich
Verwandlung erleben
in der GEGENWART

Christine Ruppert © 2013

Neuerscheinung

Mini-Präsentbuch „Hoffnungslichter“, hg.v. Kathrin Clausing, Verlag am Eschbach 2019. ISBN 978-3-86917-738-0

Liebe Leser*innen!
Ich möchte auf eine Neuerscheinung aufmerksam machen.
Soeben wurde mein Gedicht „Wunder“ in der neuen Anthologie „Hoffnungslichter“ des Verlags am Eschbach veröffentlicht. Es ist ein sehr ansprechend gestaltetes kleines Geschenkbüchlein mit einer schönen Textauswahl zum Thema Hoffnung geworden. Ich freue mich, dass ich ein Gedicht dazu beitragen konnte!

Flügel

Zwischen Tränen und Trümmern
suche ich nach meinen Flügeln
Sie wachsen mir aus
meinen schmerzenden Schultern

Tröstlich streicheln die Federn
meine verletzliche Haut
Ich spüre Schutz und Stärke im Rücken
Meine Last wird leicht

Wenn ich die Augen schließe
tragen sie mich
durch mondhelle Sommernächte
an den Horizont der Sehnsucht


Christine Ruppert © 2015

Der gute Hirte

Wegzehrung

In- und auswendig

Eingelagert
in die Tiefenschichten
meines Herzgrundes

Im finsteren Tal
am eigenen Leib erfahren:

gehalten
in Deinem Arm
getröstet
von Deiner Gegenwart
berührt
von Deiner Liebe

Christine Ruppert © 2019

Schwester Amsel

Fotografie Karin Reißenweber © 2019

Dein warmer Blick
der alles weiß
goldumrandet
sieht mich an
Schwester Amsel

Mitten in deinem
fraglosen Tun
hältst du inne

Aus deinen Augen
grüßt mich
liebevoll
das Leben

Christine Ruppert © 2019

Frühlingstrost

Es ist ein Trost
dass der Kirschbaum
dennoch blüht
ein Meer aus rosaroten Wogen
und dass die Amsel mutig ihr Lied singt
im Morgengrauen

Ein Trost ist
die Wiederkehr der Hummeln
die umhegte Weite des Rasens
das weiche Moos unter meinen Füßen
und das schüchterne Lächeln der Gänseblümchen

Die leuchtende Lebensfreude der Tulpen
ist tröstlich
die Standhaftigkeit der Butterblumen
und die zarten Schirmchen
ihrer verwandelten Schwestern
die mir sagen:
Lass los
Es kommen neue Wege
von denen du nichts ahnst

Christine Ruppert © 2016

Raum

Ich taste mich vor
in den Tag
Wieder ein schmaler Pfad
zu gehen heute
über Geröll von Schmerz und Angst
ohne Geländer
immer entlang
am Abgrund der Verzweiflung

Aber
Du
stellst meine Füße
auf weiten Raum

Um mich leuchtet Stille
Das Geländer
entsteht

Christine Ruppert  © 2017

Schenk mir ein Herz

Schenk mir Augen
hinter dem zerbrochenen Zaun
die Pracht der Blumen zu sehen
und die Hummeln die darin tanzen

Schenk mir ein Herz
dem Leben mehr zu trauen
als die Erfahrung wagt

Schenk mir ein Lachen
das zwischen den Schmerzsteinen
die bunten Glücksmurmeln sucht

Lass mich die Schönheit sehen
die Freundlichkeit spüren
die Zärtlichkeit genießen

Öffne mich Herr
für deinen Geist!

Christine Ruppert © 2017

Worte wie Umarmungen – Lesung in der Stadtakdemie

Einen Abend mit Poesie und Musik erlebten die 17 Besucher*innen meiner Lesung in der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf am 12.3.2019.
Die Gedichte holten die Zuhörer*innen mit dem Thema Natur im gegenwärtigen Wechsel der Jahreszeiten vom Winter zum Frühling ab und wanden sich dann dem Thema Vertrauen zu, Vertrauen ins Leben, in Gott und die Mitmenschen, das es immer wieder neu zu finden gilt. Es folgten meine Psalmen in denen Poesie zum Gebet wird und die der Hoffnung auf die verwandelnde Kraft Gottes Ausdruck verleihen. Den Abschluss bildeten Texte zum Thema In Beziehung, die der Frage nach dem Verstehen und Verstanden werden nachgehen.
Im klangvollen Wechsel zu meiner Lyrik ertönten die meditativen Musikstücke des Hang-Spielers Harry Meschke. Die bewegenden Tonfolgen, die er seinem besonderen Instrument entlockte, gaben Raum um das Gehörte nachwirken zu lassen.
Im anschließenden Gespräch gab es viele positive Rückmeldungen über die ich mich sehr gefreut habe und die mich in meiner weiteren Textarbeit motivieren und ermutigen.
Im letzten Teil des Abends konnten die Teilnehmer*innen selbst kreativ werden und übten sich im Haiku schreiben. Diese japanische Form des Kurzgedichts, bestehend aus nur drei Zeilen mit 17 Silben, eignet sich wunderbar für poetische Momentaufnahmen. So entstanden eine Reihe von stimmungsvollen Miniatur-Kunstwerken.

Ein gelungener Abend, an den ich mich noch lange mit Freude erinnern werde!