Zum Niederknien mutig

Gedicht aus der Reihe: Schwestern

Zum Niederknien
schön
zum Niederknien
mutig
die Frauen mit den bunten Kopftüchern
auf der Straße in Kabul

Sie sind sichtbar
sie sind laut
sie bringen ihr Leben
in Gefahr

Sie kämpfen für Rechte
die mir ohne Mühe zufielen

Ich erbitte für sie
das Wunder der Bewahrung

Christine Ruppert © 2021


Gehalten vom Licht – Lesung in der Stadtakademie

Einen Abend mit Poesie und Musik erlebten die Teilnehmer*innen meiner Lesung am 1. September 2021 in der evangelischen Stadtakademie in Düsseldorf. Für mich war es ein ganz besonderer Abend – die erste Präsenzveranstaltung seit langer, langer Zeit. Es war einfach eine große Freude – unter Einhaltung aller gebotenen Vorsichtsmaßnahmen – meine Texte den anwesenden Menschen zu Gehör zu bringen und mit ihnen darüber zu sprechen und sich auszutauschen.

Die Gedichte, die ich für diesen Abend ausgewählt hatte, erzählten von Glücksmomenten im Alltag, von Verbundenheit trotz Distanzgebot, den eigenen Ressourcen und der tragenden Kraft des Glaubens.
Im klangvollen Wechsel zu meiner Lyrik ertönten die meditativen Musikstücke der Gitarristin Anja Blauth.

 Im zweiten Teil des Abends konnten die Teilnehmer*innen selbst mit dem Stift in der Hand kreativ werden. So entstanden eine Reihe von Elfchen – Kurzgedichte bestehend aus elf Wörtern, die gut geeignet sind kostbare Momente und Begebenheiten schriftlich festzuhalten und auf den Punkt zu bringen.
Ich danke allen herzlich die dabei waren und sich aufs Zuhören, Reden und Schreiben eingelassen haben!

Unbeirrbar

Unbeirrbar
suchen sich
die Bohnenranken
ihren Weg

winden sich
um Schnüre  Äste
Sonnenblumen

strecken
ihre grünen Fühler
wolkenwärts

Unaufhaltsam
bricht sich
Grünkraft
Bahn

Christine Ruppert © 2021

Grünkraft

Liebe Leser*innen!
Nach einer kleinen Sommerpause melde ich mich heute mit zwei Gedichten zum Thema GRÜNKRAFT zurück. Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Sommer!

Grünes Zimmer

Mein grünes Zimmer
empfängt mich
mit Wuchern und Blühen

Zärtlich
streicht mir die Wange
Oleander
umarmt mich Bohnengerank
streckt mir Dahlie
ihr leuchtendes Blütengesicht entgegen
Fröhlich
lacht mir Petunie
winkt mir Sonnenblume aus dem Hintergrund

Mein grünes Herz
blüht über und über

Christine Ruppert © 2021

Ein Tanz von Grün

Kiefer bietet Heckenrose
den Arm
umringt von Ahorn und Jasmin
im Reigen
Efeu umschlingt Tuja
Erdbeerblatt und Johanniskraut
wiegen sich wildbewegt
zum Gesang des Windes

Christine Ruppert © 2021

Gefilde des Lachens

I
Der kleine Esstisch meiner Studentenwohnung
viele Stühle
Süßes und Salziges
Spiele
die Freundinnen in der Runde

Worüber lachen wir den ganzen Abend?

Es bedarf kaum eines Grunds
Alltägliches  Vertrautheit  freundlicher Spott

Sich loszulassen ist leicht
Sorgen lösen sich
in Lachen und Geborgenheit


II
Wir drei
am Küchentisch
im Schwürbitzer Pfarrhaus
Jeder erzählt seinen Tag
Gemeinde  Geschäft  Schule
unzensiert
Wir lachen viel
Anekdoten  Erlebtes
Deftige Muttersprache
spitzt zu
Kreative Funken
malen aus
Losgelöste Heiterkeit
Wir drei
ganz unter uns

Christine Ruppert © 2020

Poesie will gehört werden

Bei meiner Online-Lesung „Gehalten vom Licht“ haben mir einige von euch gesagt, dass sie es schön fanden meine Gedichte nicht nur zu lesen sondern auch zu hören und sich so noch einmal ganz anders auf den Text einlassen zu können.
Dadurch habe ich mich anregen lassen nun öfters kleine Hörproben meiner Gedichte im Lyrikfenster zu veröffentlichen.
Ich wünsche viel Freude beim Hören!

Poesie will gehört werden – Folge 1 – „Worte“

Worte

Manches Wort
fliegt mir zu
setzt sich
leicht wie ein Schmetterling
auf meine Hand

Manches Wort
wächst
tief verborgen
im Acker
Ungeduldig
grabe ich den Keim aus
doch die Zeit
ist noch nicht reif

Christine Ruppert © 2020

Gehalten vom Licht – Online-Lesung

„Gehalten vom Licht“ Fotografie Karin Reißenweber

Eine Matinée mit Poesie und Musik erlebten die 20 Zuhörer*innen meiner Online-Lesung „Gehalten vom Licht“ am 29.5.2021.
Was hält uns? Was gibt uns Kraft inmitten von Schönem und Schwerem, im Auf und Ab des Lebens? Diesen Fragen folgten die zu Gehör gebrachten Gedichte. Sie erzählten von Glücksmomenten im Alltag, von Verbundenheit trotz Distanzgebot, den eigenen Ressourcen und der tragenden Kraft des Glaubens.
Im klangvollen Wechsel zu meiner Lyrik ertönten die meditativen Musikstücke der jungen Gitarristin Anja Blauth.
Im anschließenden Gespräch gab es viele positive Rückmeldungen über die ich mich sehr gefreut habe und die mich in meiner weiteren Textarbeit motivieren und ermutigen. Die größte Freude war, dass die Veranstaltung auf dem digitalen Weg doch noch stattfinden konnte und auf diese Weise Begegnung und Austausch möglich wurde. Ich danke allen herzlich, die dabei waren! Es war wunderbar euch zu sehen und zu hören!