In meinen Zweifel
flüstert leise die Gewissheit
Der Sommer
kommt wieder
Er wartet
verborgen
auf der anderen Seite
des Jahres
Was nun grau ist
wird grün werden
Was nun kahl ist
wird blühen
Was jetzt karg scheint
wird überströmen von Fülle
Die Kraft
schläft nur
Christine Ruppert © 2023
Weihnachtsgedicht
Ich bin die Nacht
tränenfinster
vor Schmerzen sprachlos
angstgelähmt
stockt mir der Atem
Der Stall bin ich
verletzlich
kalt
fährt der Wind
des Lebens
durch meine
lose Bretterwand
VERWANDLE MICH
LICHT
mach mich
sternenhell
traumerfüllt
lass mich
Herberge sein
für die Geburt
der Hoffnung
Christine Ruppert © 2019
Ewigkeitssonntag
Dankbar gedenke ich
Noch immer
leuchtet der Wärmestrom
eures Daseins
in mein Leben
So viel Liebe
so viel Geborgenheit
Ein tiefer Trost
in den Nächten dieser Welt
Eine Quelle des Vertrauens
Die Pfarrerin sagt
Alle die uns vorausgegangen sind
leben
Sie leben in Gottes Erinnerung
aus der niemand fällt
Sie leben in Ewigkeit
Heute erinnern wir
unsere Liebsten
Heute erinnern wir
unsere Zukunft
Auferstehung
Christine Ruppert © 2022
Am Weinstock bleiben
Dir ans Herz legen
unsere Furcht
unsere Erschöpfung
unsere Fragen
Dir danken
für das tägliche Dennoch
Uns bergen
in dein
ICH BIN DA
Christine Ruppert © 2020
Bethlehem im Sommer
Mitten im Durcheinander
meiner Wohnung
bist du da
Mitten in der Achterbahn
meiner Gefühle
dein Friede
Mitten im Sturm
der Gedanken
deine liebevolle Umarmung
Inmitten der Zerrissenheit
meiner Tage
stehe ich an deiner Krippe
auch heute
kommst du zur Welt
Christine Ruppert © 2019
Junitag
Auf der Wiese liegen
den Blick nach oben
in einen Himmel
voll Blau
Zärtlich beschattet
von Buchenästen
Gehalten
vom Mutterleib Erde
Gewiegt
in Sommerwärme
und Vogelgesang
Leises Rauschen
Der Geruch
nach warmem Gras
Unbemerkt
erreicht das Jahr
den Scheitelpunkt
Alles ist grün
und gut
Christine Ruppert © 2015
Mühsamer Tag
Alle Ecken spitz
alle Kanten scharf
ein Tag wie zerbrochenes Glas
Schneidend die Worte
das Schweigen der Anderen
Verirrt im Labyrinth
meines Zorns
Am Abend aber
tönt Amselgesang
legt sich
ein milder goldener Schimmer
auf mein Herz
Die Tagessplitter
glänzen
versöhnlich
In aller Vergeblichkeit
warst Du mir nah
Christine Ruppert © 2022
Ostermorgen
Joh. 20, 11-18
Manchmal
stehe ich wie gebannt
und starre auf meine unerfüllten
Wünsche
beweine meine begrabenen
Hoffnungen
nähre den Zorn auf das
schwer Erträgliche
Was suchst du?
Die Frage stört mich
Unwillig wende ich mich
um
und erkenne Dich nicht
Da rufst Du mich
am hellen Tag
bei meinem Namen
Ein Staunen
erblüht
in mir
ein Glück
strahlt auf
Herzwärme breitet sich
um mich
wie ein Mantel
…
Ich spüre
Dein Licht
in mir
wachsen
Christine Ruppert © 2018
Nicht allein
2. Mose 14
Noch immer steht das Meer
wie eine Mauer
noch sind die schlimmsten
Katastrophen
nur in meinem Kopf
Tagsüber ist der Weg
oft hell
Ich gehe sicher
fast fröhlich
Gegen Abend aber
fluten die Nachrichten heran
der Boden wird grundlos
die Angstpegel steigen
Dann tröstet mich
Dein Lied
Du selbst hältst
die Verfolger auf Abstand
trägst mich ans rettende
Ufer des Schlafs
und weckst mich
jeden Morgen neu
Christine Ruppert © 2022
Barbara
Einen Zweig ins
Wasser stellen
Mitten in der Kahlheit
an die Möglichkeit
des Blühens glauben
Freude hervorlocken
Christine Ruppert © 2017
