Die (Selbst-)
Bilder ablegen
schmerzlich
Immer wieder
annehmen
was ist
Kahlheit aushalten
warten
lauschen
dem Licht
nachspüren
das Obdach
sucht
Mein Zerbrochenes
kann
Herberge
werden
Christine Ruppert © 2020
Einen alten Vers neu entdecken
Das schreib dir in dein Herze,/ du hochbetrübtes Heer,/
Bei denen Gram und Schmerze/ sich häuft je mehr und mehr;/
Seid unverzagt, ihr habet/ die Hilfe vor der Tür;
Der eure Herzen labet/ und tröstet, steht allhier. (Paul Gerhard 1653)
Aufschreiben
[auf weißes Papier]
mich erinnern
mir neu vorsagen
mir ins Herz einschreiben
weitersagen:
Inmitten von
angstvorkriegcoronaleideneinsamkeit
mobbingverratenttäuschungchronischer
krankheitausgeschlossenseinstreitarbeits
belastungschlechtennachrichtenfluchtundhungerelend
SEID UNVERZAGT
Inmitten von Gram und Schmerze
SEID UNVERZAGT
Voller Liebe und Bereitwilligkeit
kommt Gott euch entgegen
kommt mittenhinein
bringt Licht
bringt Gehaltensein
bringt Mut zum Weiterleben
bringt sich selbst
mitten in diese Welt
Christine Ruppert © 2017/2020
Perspektivwechsel
Ich sehe die Sonne
Ich sehe den Abgrund
Ich sehe die Farben
Ich sehe das Dunkle
Ich spüre den Boden
bald zaghaft bald zuversichtsfest
Ich schwanke
Ich falle
DU
fängst mich auf
Christine Ruppert © 2020
Befreunde dich
In Bedrängnis
befreunde dich
mit dem Atem
tröstlicher Weg ins Weite
Spüre dich
ruhen
in den Armen
der Kraft die alles umfängt
Sprich
die Worte des Vertrauens
nach
sprich sie wieder
und wieder
Danke
für alles was trägt
Entdecke die Fülle
Dir wird nichts mangeln
Christine Ruppert © 2020
Frei
Eingekerkert
ich
schmerzgefesselt
umstellt von Ängsten
weckt mich
mitternächtlich
der Engel
zeigt mir
Wege
als ob
ich träumte
(inspiriert von Apostelgeschichte 12, 6-17)
Christine Ruppert © 2020
Wie den Tag beginnen?
Nackt
wirft mich die
Nacht verwirrender Träume
ans Land
des neuen Morgens
Bloß
stehe ich vor dem Spiegel
und sehe mein
fröstelndes Ich
im Sog der Sorgendämmerung
Wie den Tag beginnen?
Ich warte
dass ein Ton mich findet
singe
und hoffe
öffne mich einen Spalt breit
für das Licht
Ich spüre
Du bist da
Du hüllst mich ein
in Deinen Mantel aus Liebe
Christine Ruppert © 2017
Neujahrsbitte
Noch höre ich
tief in mir
das
Fürchtet euch nicht
des Engels
Noch taste ich mich
zaghaft
ins Vertrauen
Ach
male Deine zärtlichen
Farben
in die Düsternis
der Zeit
Spanne
Deinen Regenbogen
Gnade
über allem Zerschlagenen
Leuchte
golden
und hoffnungsgrün
uns den
steinigen Weg
Christine Ruppert © 2019
Der gute Hirte
Wegzehrung
In- und auswendig
Eingelagert
in die Tiefenschichten
meines Herzgrundes
Im finsteren Tal
am eigenen Leib erfahren:
gehalten
in Deinem Arm
getröstet
von Deiner Gegenwart
berührt
von Deiner Liebe
Christine Ruppert © 2019
Auferstehung
Aufstehen
ins Vertrauen
An das
UnMögliche
glauben
Aufwachen
zu neuem Leben
Christine Ruppert © 2019
Raum
Ich
taste mich vor
in den Tag
Wieder ein schmaler Pfad
zu gehen heute
über Geröll von Schmerz und Angst
ohne Geländer
immer entlang
am Abgrund der Verzweiflung
Aber
Du
stellst meine Füße
auf weiten Raum
Um mich leuchtet Stille
Das Geländer
entsteht
Christine Ruppert © 2017
